Montag, 22. August 2011

Lesen - und darüber schreiben

Jetzt ist der August schon fast ganz vergangen und ich habe noch immer keine Leseliste für den Juli erstellt. Lange habe ich nachgedacht, deswegen auch die Verspätung: Soll ich? Soll ich nicht?
Letztendlich vollends bestätigt durch eine Freundin (mehr dazu bald), habe ich mich nun für ausführliche Inhaltsangaben entschieden. Keine ausschließliche "Gelesen-im...-Listen" mehr, keine längere Beschreibung meiner Lesetipps, sondern "immer Senf zu allem".

Also, fangen wir an:

Vermeulen, John: Der Maler des Verborgenen: Roman über Leonardo da Vinci. Diogenes Verlag.

Historische Romane betrachte ich überwiegend äußerst kritisch. Die vielen Neuerscheinungen mit Frauen auf dem Cover ließen und lassen mich immer noch skeptisch werden. Frauenschicksale, Liebesgeschichten, Mord und Totschlag verschoben in eine andere Zeit - muss ich nicht unbedingt haben. Kaum ein historischer Roman schaffte es daher auf meine Leseliste.
Eine Ausnahme machte ich bei diesem Titel, als ich ihn bereits in der Verlagsvorschau sah. Da ich gerne in Museen gehe, um Gemälde und Skulpturen zu betrachten, ohne allerdings viele Informationen über die Künstler zu sammeln, dachte ich an eine gute Verbindung von Unterhaltung + Wissenslücke schließen.
Das Buch hat diesen Anspruch zum Teil erfüllt: Erzählt wird die Lebensgeschichte von Leonardo da Vinci, wie sie hätte sein können. Vermischt werden hier also Fiktion und Fakten. Es ist daher keine trockene Biografie, gespickt mit unüberschaubaren Jahreszahlen, sondern eine in Romanform erzählte, und daher recht lebendige, Lebensgeschichte.
Man nimmt teil an der Kindheit und Jugend, erkennt die Entwicklung und das Streben des Künstlers und Wissenschaftlers, begegnet Zeitgenossen vor dem historischen Hintergrund Italiens und bekommt beim Lesen immer größere Lust, einen Bildband des Künstlers zu kaufen, um sich die im Text beschriebenen Werke genauer anschauen zu können. Nicht selten ersetzte mir das Internet mit seinen Bilderquellen solch einen zusätzlichen Bildband, wenn ich zwischendurch neugierig wurde, was da eigentlich gerade beschrieben wurde.
Vieles über Leonardo da Vinci wusste ich nicht, einiges davon werde ich wieder vergessen. Entstanden ist eine Neugierde auf detailierte Bildbetrachtungen.

Die Sprache ist einfach, einzig die Dicke des Buches benötigt Zeit. Wer einen "typischen" historischen Roman sucht, ist hier wahrscheinlich falsch. Wer eine Biografie erwartet, dem wird sicherlich die Vermischung von Tatsache und Erfundenem stören. Lesern, die offen für Genres sind, und gerne mehr über Leonardo da Vinci und seine Zeit sowie Zeitgenossen erfahren möchten, wird dieses Buch gefallen.


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