Dienstag, 22. Mai 2012

Gelesen: Fast genial

Was bestimmt den eigenen Lebensweg, den schulischen Erfolg bzw. Nichterfolg, das Glück in der Liebe?
- Die Gene? Oder der eigene Antrieb?




Der mittellose, siebzehnjährige Francis lebt mit seiner alleinerziehenden, depressiven Mutter in einer heruntergekommenen Wohnwagensiedlung am Rande der Stadt.
In der Schule läuft es schlecht für ihn, er soll das Schuljahr wiederholen.
Seine Mutter kommt in eine Klinik und begeht einen Selbstmordversuch...


An dem Tag, der sein Leben veränderte, saß Francis auf den Stufen vor dem Trailer. Es war der Freitag vor den Ferien, und es war noch früh. In der Kühle des Morgens rauchte er eine Zigarette und beobachtete seine Nachbarn. Alle wirkten so ernst, so verbittert. Nie lächelte jemand, als wäre es den Leuten ausgetrieben worden. Er sah den hinkenden Darius Penn, der den Müll rausbrachte. Amanda Barnes, die hustend die Wäsche aufhängte. Und die alte Mrs. Dilcher auf ihrer Hollywoodschaukel. All diese verlorenen Gestalten, die nichts zustande brachten, die es nicht in sich hatten, je etwas Großes zu stemmen. Und plötzlich durchzuckte es Francis. Er wüde einmal so werden wie sie, egal, wie sehr er sich wehrte. Er würde niemals von hier wegkommen!


Im Abschiedsbrief seiner Mutter erfährt Francis plötzlich, dass sein Vater ein Genie sei, und er selbst das Ergebnis einer künstlichen Befruchtung im Rahmen eines Experiments zur Zeugung intelligenter Nachkommen.
Zusammen mit seinem Schulfreund Grover und der wunderschönen Anne-May aus der Klinik, in die sich Francis verliebt hat, macht er sich daraufhin auf die Suche nach seinem Vater, den er noch nie kennengelernt hat und dessen Namen er leider auch nicht weiß.
Ihre Fahrt führt sie dabei quer durch Amerika bis nach Mexiko. Sie meistern Eifersucht, sind mutig, spielen zum ersten Mal Roulette in Las Vegas und fragen sich immer wieder, wie es weitergehen soll.


Francis musste an seine vielen Halbgeschwister denken, die über das ganze Land verstreut waren und die er niemals kennenlernen würde. Und er dachte an Alistair und die anderen aus dem Kältetank. Ein paar übriggebliebene Laborratten aus einem längst gescheiterten Experiment. Eigentlich waren sie nichts anderes als Replikanten. Sie sahen aus wie echte Menschen, redeten und fühlten wie echte Menschen, und doch waren sie irgendwie unvollständig, und es würde sie immer etwas von ihnen unterscheiden.


Alles, was Francis antreibt, ist der Gedanke, dass sein Leben und das seiner Mutter besser wird, sobald er seinen intelligenten Vater gefunden hat.


Wer den jungen, 1984 geborenen Benedict Wells bisher noch nicht kannte, dem empfehle ich dringend das Lesen seines Debüts "Becks letzter Sommer" oder seines dritten Buches "Fast genial"!
Was mir an seinem Schreibstil gefällt sind die besonderen Charaktere und die Sprache. In beiden Büchern gibt es zudem diese Spannung, die sich immer mehr verdichtet, bis man irgendwann die halbe Nacht durchliest, um endlich das Ende der schicksalhaften Personen und ihrer Geschichten zu erfahren.



Kommentare:

  1. Das hört sich wirklich gut an, vielen Dank fürs Vorstellen! Ich werd mir Herrn Wells mal merken :-)

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    1. Liebe Bücherdiebin,
      es freut mich, dass ich dich inspirieren konnte. Ich hoffe, dass du bald einmal die Gelegenheit haben wirst, in eines seiner Bücher zu lesen.
      Carmen

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