Montag, 25. März 2013

Gelesen: Die Herrlichkeit des Lebens

Kennen Sie...?

Komisch. Ich kenne niemanden, der privat Kafka liest. Du?
Wahrscheinlich wird die Mehrzahl in der Schule durch Kafka-Pflichtlektüre(n) abgeschreckt in Zukunft zu Klassikern überhaupt zu greifen (= meine Theorie).
Und meine zweite Theorie: Bestimmt liegt es auch an den lieblos gestalteten gelben Büchlein (ihr wisst, welchen Verlag ich meine) mit der kleinen Schriftart und dem engen Schriftbild... ;-)

Durch Umwege bin ich jedenfalls mal wieder zu Kafka gekommen - nämlich durch ein schönes Buchcover, ich gebe es ehrlich zu. :-)
Schaut selbst:




Aber im Endeffekt zählt ja nicht der Weg WIE man zu einem Buch gekommen ist, sondern WIE es einem dann gefallen hat, nicht?! ;-)
Und so stelle ich euch heute meine Lektüre der letzten Wochen vor, "Die Herrlichkeit des Lebens" von Michael Kumpfmüller - ein Roman über das letzte Jahr Franz Kafkas, unerwarteterweise eine Liebesgeschichte.

Kafka lernt 1923 bei einem Genesungsurlaub die junge Dora Diamant kennen und lieben. Die beiden planen eine gemeinsame Zukunft, sofern das bei seinem Gesundheitszustand - Diagnose: Tuberkulose - noch groß möglich ist...
 
Würde sie ihr Leben aufschreiben, würde sie nur Kleinigkeiten notieren, denn am größten, findet sie, ist das Glück, wenn es winzig klein ist, wenn er sich die Schuhe bindet, wenn er schläft, wenn er ihr durchs Haar fährt. Immerzu macht er etwas mit ihren Haaren. Er hat sie schon gekämmt, er hat sie gewaschen, was ebenso schön wie seltsam war. Ihre Haare, sagt er, riechen nach Rauch und Schwefel, nach Gras, ab und zu nach Meer. Er sagt, dass er nicht fertig wird mit ihr. Wäre er eines Tages fertig, müsste er auf der Stelle tot umfallen [...].

Durch viele Briefwechsel in leisen Tönen lerne ich einen Franz Kafka kennen, der mir bis dahin unbekannt war. Kafka bedeutet für mich "nur" Schriftsteller. Mir fallen ein paar Titel ein, bekannt, aber nicht selbst gelesen. Dann die Vater-Sohn-Beziehung, mehr eigentlich nicht.
Dass es aber mehr zu entdecken gibt, hat mir dieses Buch gezeigt.

Dass er ein Schriftsteller ist, hat sie bislang kaum gemerkt. Er schreibt Briefe, Postkarten. Ist es das, was ein Schriftsteller tut? Einmal kommt ein Brief, der ihm zu schaffen macht, er sagt, eine Aufstellung der verkauften Bücher. Er wirkt bedrückt, ja niedergeschmettert, einen halben Tag, doch länger nicht. Sie lässt ihn den Nachmittag in Ruhe, bekümmert über einen Kummer, der nicht der ihre ist, als müsse sie nur warten, bis er sie wieder bemerkt, auf den ersten Satz, beim Essen das erste Lächeln. [...]




Kommentare:

  1. Ich lese dieses Wunder-Buch gerade und bin verzaubert.:) Nach der Lektüre des Tagebuchs von Kafka letztes Jahr, das mir auch sehr gefallen hat, weil er mir so nahe gekommen ist (Verständnis!), ist es wohl mal dran, ihn richtig zu lesen. Und sich von der Schule zu lösen.

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    1. Viel Spaß beim weiteren Lesen wünsche ich dir!
      Ja, man sollte öfter "alte" Autoren + Klassiker neu entdecken und sich an die Lektüre wagen, auch wenn die Sprache oft unbequem ist und man an manchen Stellen kämpfen muss.

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